So baue ich eine Trockensteinmauer

So baue ich eine Trockensteinmauer

Markus Grabher

Markus Grabher, Umweltbüro in Bregenz (www.umg.at)

Fotos: privat; Umweltbüro Grabher

Fugenreiche Mauern sind oft artenreiche Lebensräume mit kleinräumig wechselnden und vielfältigen Strukturen. Abhängig von Alter, Art, Struktur und Exposition werden sie allmählich von verschiedensten Pflanzen besiedelt. Sonnenexponierte Mauern sind durch ihre Blütenvielfalt durchaus bunte Landschaftselemente, schattige dagegen durch ihre Vielfalt an Kleinfarnen geprägt. Zu den typischen tierischen Mauerbewohnern zählen zB Spinnen, Wildbienen und Eidechsen.

Trockenmauern sind ganz besondere Mauertypen – sie werden ohne Mörtel nur aus Steinen gebaut und sind in vielen Gegenden prägende Elemente der Kulturlandschaft. In Weinbaugebieten findet man sie oft als Stützmauern, in anderen Regionen wurden sie freistehend zur Abgrenzung von Weiden oder Grundstücken gebaut. Sonnenexponierte Trockenmauern sind klimatisch begünstigte Standorte und wertvoll in der Vernetzung von Lebensräumen. Die Sanierung zerfallener oder der Bau neuer Trockenmauern ist daher nicht nur ein Beitrag zum Naturschutz, sondern auch zur Erhaltung der traditionellen Kulturlandschaft.

•       Trockenmauern bestehen ausschließlich aus Steinen. Das Gewicht darf nicht unterschätzt werden – pro Laufmeter ist durchaus mit einer Tonne Steinen zu rechnen. Der Bau einer Trockenmauer ist daher körperlich anstrengend und handwerklich anspruchsvoll.

•       Bei weichem Untergrund sollte der Boden vor Baubeginn entsprechend tief abgetragen werden, damit die Mauer nicht allmählich versinkt.

•       Die Wände einer Trockenmauer sind aus Stabilitätsgründen leicht schräg, das Profil somit A-förmig. Meist ist die Mauer etwa doppelt so hoch wie das Fundament breit. In Hanglagen werden Trockenmauern treppenartig in den Hang eingebaut, wie dies aus vielen traditionellen Weinbaugebieten bekannt ist.

•       Unterschiedliche Steintypen kommen zum Einsatz. Fundamentsteine sind möglichst groß und flach. Die eigentliche Mauer wird Schicht für Schicht mit Steinen errichtet, die zumindest auf einer Seite flach sind. Große Steine werden vor allem für die unteren Lagen verwendet. Wichtig ist, dass jeder Stein seine Nachbarsteine berührt. Binder sind lange Steine, die für die nötige Stabilität sorgen. Pro Laufmeter ist mindestens ein Bindestein nötig, besser sind mehrere. Schließlich werden noch mit kleineren Steinen die Hohlräume im Innern der Mauer verfüllt und mit Decksteinen die Mauer „abgeschlossen“.

•       Eine Trockenmauer sollte regelmäßig auf Schäden kontrolliert werden. Reparaturarbeiten aber möglichst nicht in der Überwinterungsphase der Tiere durchführen. Ein Teil der Mauer kann durchaus verwildern und zuwachsen – dies erhöht die Lebensraumvielfalt.

•       Trockenmauern bedürfen keiner Bepflanzung. Wenn der Bauherr jedoch eine Bepflanzung wünscht, kann als „Kompromiss“ eine spärliche „Startbepflanzung“ ausschließlich mit für den Standort und die Region typischen Arten durchgeführt werden.

Die sechs Grundregeln

Von diesen Regeln hängt ab, wie dauerhaft und solide die Trockenmauer wird. Deshalb sind diese Regeln unbedingt zu befolgen:

  1. Die Steine so setzen, dass jeder Stein die beiden Nachbarsteine berührt. Lücken gefährden die Stabilität.
  2. Steine versetzt setzen, abwechslungsweise einen Stein auf zwei / zwei Steine auf einen, da sonst Stoßfugen über mehrere Schichten entstehen.
  3. In allen Hohlräume zwischen und unter den Steinen sorgfältig spitze Steine (Keile) oder Hintermauerungssteine einpassen. Die Mauer soll möglichst kompakt sein.
  4. Mauersteine so setzen, dass sie mit ihren Längsseiten immer in den Mauerkern hinein versetzt werden.
  5. Mauersteine so auswählen, dass keine zusätzlichen Keile in der Ansichtsfläche angebracht werden müssen.
  6. Immer wieder mit einer Richtschnur sicherstellen, dass die Mauer gerade gebaut ist.

Mehr dazu unter wwf.ch

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