Brandstätters Garten: Zu Gast bei den Hobbits

„Ich bin ein Bub mit 65 Jahren“

Selbst Erwachsene bekommen strahlende Augen, wenn sie durch den Garten von Fredi und Doris Brandstätter in Feldkirch spazieren bzw. lustwandeln. Denn der Hausherr hat, im wahrsten Sinne des Wortes, Kindheitsträume lebendig werden lassen. Für sein letztes Projekt ging Fredi sogar richtig hoch hinaus.

Ich muss zugeben, so einen Garten habe ich noch nie gesehen. Er ist bezaubernd schön, kindlich verspielt, phantasievoll gestaltet. Irgendwie habe ich das Gefühl, auf dem Set eines „Hobbits“-Films zu Gast zu sein. Es gibt immer etwas Neues zu entdecken. Da erwacht das Kind im Mann. Und am liebsten würde man in das grüne Paradies einziehen.

Eigenes Paradies geschaffen

Dabei hat das Projekt Garten bei Fredi und Doris Brandstätter erst spät begonnen, wie mir Fredi erzählt. „Ich war 30 Jahre lang als Chauffeur in ganz Europa unterwegs. Und das auch am Wochenende. Da hatte ich keine Lust auf Garten.“ Doch vor 15 Jahren kam der Wandel. Fredi hatte die Schnauze buchstäblich voll, an Samstagen und Sonntagen immer auf Achse zu sein. „Ich wollte lieber zu Hause bleiben und ich beschloss mir daheim ein eigenes Paradies zu schaffen“, erinnert sich der heute 65-Jährige.

Beruhigendes Plätschern

Zuerst galt es die Rasenflächen im 450 Quadratmeter großen Garten zu dezimieren. „Deshalb habe ich angefangen, Teiche zu bauen, Bachläufe zu gestalten und Brücken zu bauen“, erklärt der Hobby-Gärtner. Und er wollte sich damit ein Stück Natur nach Hause holen. Und wieviel Zeit braucht er heute noch fürs Rasenmähen. „Die Grünfläche ist fast vollständig verschwunden. In fünf Minuten bin ich durch“, erzählt er stolz. Und warum hat Fredi so viele Wasserflächen in seinem Garten, frage ich ihn. „Ich bin neben einem Bach aufgewachsen. Und jetzt habe ich das beruhigende Plätschern wieder.“ Übrigens: Um das Wasser in seinem Garten zirkulieren zu lassen, hat sich Fredi eine Solaranlage gebaut. „Diese treibt die Umwälzpumpe für beide Brunnen an. Und der ganz große Vorteil ist, dass mich das nichts kostet“, schmunzelt er.

Eine etwas andere Steinpyramide

Fredi Brandstätter liebt verrückte Ideen. Er hat zum Beispiel im Fernsehen gesehen, wie Beduinen eine Steinpyramide bauen. Unten große Steine und oben die großen. Doch das war ihm viel zu langweilig. Er drehte den Spieß kurzerhand um und baute sich eine Steinpyramide, wo der größte Steinbrocken oben thront. Und wer Fredi in seinem Garten besucht, kann sich davon überzeugen, dass das Experiment gelungen ist.

Der Hobbit-Garten der Familie Brandstätter in Feldkirch

Irrwitziges Baumhaus

Sein bislang letztes Groß-Projekt hat er in diesem Frühjahr realisiert. Statt am Boden, wo es ohnehin keinen Platz in seinem Garten mehr gibt, begab er sich in die Lüfte. Er baute auf seiner imposanten Trauerweide ein irrwitzig, verspieltes Baumhaus, mit Wohn- und Schlafraum und Außenbalkon. Alles gebaut in Eigenregie. „Das habe ich für meine Enkel gemacht“, sagt er. Aber richtig glauben kann ich es nicht und frage deshalb nach. „Ehrlich gesagt, habe ich mir damit einen Kindheitstraum erfüllt. Die einen bauen sich Eisenbahnen und ich Baumhäuser. Ich bin ein Bub mit 65 Jahren“, beschreibt er sich selbst nicht ganz ironiefrei.

Diesen aberwitzig-verspielt-verträumten Hobbit-Garten zu beschreiben, ist schier unmöglich. Man muss ihn gesehen haben. Aber nicht nur einmal. Denn man entdeckt dauernd neue Details: Kois im Teich, Hennen, die durchs Gelände streifen oder ein paar alte Schuhe, die zum Pflanztrog umfunktioniert worden sind, Steinhasen, eine Holzfigur, die an Edvard Munchs „Der Schrei“, erinnert. Und nicht zu vergessen die vielen Bonsai-Pflanzen, die überall im Garten verteilt sind.

Der Garten, so erzählt seine Frau Doris, ist für sie beide eine Wohlfühloase. Und diese habe einen ganz großen Vorteil, fügt Fredi hinzu. „Ich muss nicht mehr in den Bregenzerwald oder nach Übersaxen fahren. Wir sitzen lieber gemütlich zuhause im Garten und genießen die Natur.“ Und bevor ich es vergesse: Da wäre noch der selbstgebaute Grill. Aber das, liebe Gartenfreunde, wäre wieder eine ganz andere Geschichte.

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