Der Stier von Frastanz

Wie Hugo auf den Stier kam

Frastanz hat ein neues Wahrzeichen. Sein Schöpfer heißt Hugo Bertsch und ist gelernter Betriebsschlosser. Sein Werk ist über 100 Kilogramm schwer und sorgt in der Marktgemeinde für erstaunte Blicke von Passanten. Zwei Monate arbeitete er an seinem monumentalen Kunstwerk.

Hugo Bertsch, gelernter Betriebsschlosser, hat für einmal nicht gekleckert, sondern richtig geklotzt. Am Eingang zu seinem wild-romantischen Garten steht ein Stierkopf. Montiert auf einem fahrbaren Gestell. „Anders könnte ich ihn gar nicht bewegen“, erklärt er. Das eiserne Kunstwerk hat beeindruckende Dimensionen. Es misst 2,30 Meter in der Höhe und zwei Meter in der Breite. Ich frage ihn, wie er plötzlich auf die Idee kommt, eine solch gewaltige Tierfigur zu schaffen. „Ich lasse mich vom Alltag inspirieren. Oft kommen mir die Ideen beim Wandern“, erzählt Bertsch, der derzeit in seiner Wohngemeinde im Bauamt arbeitet.

Von der Kopfgeburt bis zum realen Objekt

14 Tage hat die Idee in seinem Kopf herumgespukt, bis er sich sicher war, dass er einen Stierkopf schaffen will. Und noch einmal zwei Monate dauerte es, bis die Kopfgeburt in ein reales Objekt umgesetzt wurde. Wie muss ich mir das vorstellen, sitzt du einfach hin und beginnst zu arbeiten, frage ich ihn. Zuerst habe er seine Vorstellungen vom Stierkopf auf Papier gebracht. „Dabei bin ich draufgekommen, dass ich eine Nase eines Stiers bzw. einer Kuh noch nie genau studiert habe“, erinnert er sich mit einem Lächeln.

„Ich will die Seele des Handwerks spüren“

Nach der Zeichnung ging es in die konkrete Umsetzungsphase. Er besorgte sich das Material, ließ sich die Eisenstücke nach seinen Vorstellungen biegen. Hugo verzichtete bei der Gestaltung des überdimensionalen Stierkopfes so weit wie möglich auf den Einsatz von Maschinen. „Ich habe alle Drähte von Hand abgezwickt. Ich will die Seele des Handwerks spüren. Ich will mit dem Material richtig arbeiten“, erklärt er mir seine Philosophie. Maschinen, so erzählt er weiter, stören ihn in seiner Konzentration. Mit einem Blick auf meinen Kugelschreiber fügt er hinzu: „Du könntest doch einen Laptop verwenden und schreibst trotzdem von Hand mit. So ähnlich ist es bei mir. In der Langsamkeit habe ich mehr Gespür für Material und Form.“

Und was passiert jetzt mit dem Stierkopf? „Es gibt schon einige Interessenten“, verrät er. Er ist sich noch nicht sicher, ob er sein bisher größtes Kunstwerk auch wirklich verkaufen will. Eines ist für ihn aber hingegen schon klar: „Ich mache auf keinen Fall weitere Stierköpfe, nur will sie bei anderen ankommen.“

„Bin nicht für Miniaturen geschaffen“

Ist er stolz auf sein Werk? „Stolz ist der falsche Ausdruck. Aber jedes gute Wort tut gut.“ Und welches Projekt schwebt ihm als Nächstes vor? „Da habe ich schon konkrete Vorstellungen. Ich widme mich menschlichen Füßen. Ich will wieder zurück zur menschlichen Figur.“ Und werden die ähnlich überdimensioniert, wie der Stierkopf? „Bisher habe ich eher kleinere Dinge gemacht. Ich habe aber festgestellt, dass ich nicht so für die Miniaturen geschaffen bin. Es ist ähnlich wie bei einem Maler, der die großen Pinselstriche liebt. Ich verfahre getreu dem Motto: Man darf den Schwierigkeiten nicht aus dem Weg gehen. Für mich ist es ein Weg der Selbstfindung, eine Art privater Jakobsweg.“

Kommentare ausblenden

Kommentar hinterlassen

oder