Die Schrebergärtner vom Seidengarten

Die Schrebergärtner vom Seidengarten

Du willst wissen wie die Vorarlberger Schrebergärtner-Seele? Dann empfehle ich dir den Besuch der beeindruckenden Nutzgarten-Kolonie im Seidengarten in Rankweil. minGarta hat liebevolle Menschen getroffen und tiefe Einblicke in ihr liebstes Hobby bekommen.

Andreas Bürger ist ein Mann der ersten Stunde. Er hat seinen Nutzgarten im Seidengarten seit 1992. Auch 22 Jahre später denkt der gebürtige Kärntner, der seit einem halben Jahrhundert in Vorarlberg lebt, noch nicht ans Aufhören. Im Gegenteil: Seit er in Pension ist, hat er seine Gartenarbeiten sogar noch intensiviert. Er kann es im Frühjahr gar nicht erwarten, bis der Boden auftaut und er damit beginnen kann, Gemüse zu pflanzen. „Am Anfang pflanze ich den Salat im Folientunnel“, erzählt er stolz. Wenn es dann wärmer wird, zieht er sein Gemüse selbst: Tomaten, Kürbisse, Paprika, Melanzani, Brokkoli. Weggeworfen wird nichts. „Sollte ich einmal zu viel Gemüse haben, dann schenke ich es lieber anderen Schrebergärtnern oder meinen Nachbarn“, betont Bürger.

Toller Zeitvertreib

Für Bürger ist die Arbeit im Garten eine schöne Arbeit. Das war nicht immer so. „Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen. Während die anderen Kinder baden gegangen sind, musste ich Kühe hüten. Das hat mir nicht so gefallen“, erinnert er sich. Aber jetzt in der Pension kehrt er quasi mit dem Schrebergarten wieder zu seinen Wurzeln zurück. „Das ist ein toller Zeitvertreib. Bei uns gibt es keine Rasenflächen um sich im Garten auf einen Liegestuhl zu legen und sich zu sonnen. Der Garten hält einen auf Trab“, schwärmt er.

Einsamer Kämpfer

Seine Begeisterung für die Gartenarbeit hat die anderen Familienmitglieder bisher noch nicht angesteckt. „Zuhause bin ich ein einsamer Kämpfer.“ Aber er hat dennoch Verständnis für Frau und Kinder. „Gartenarbeit kann man einem nicht aufzwingen.“ Denn auch bei schlechtem Wetter heißt es, raus aus Feld. Bürger kümmert sich aber nicht nur um seinen eigenen Garten, sondern auch um das gesamte Erscheinungsbild der Schrebergarten-Kolonie. Er achtet darauf, dass die Wege sauber bleiben und die Gartenabfälle ordentlich entsorgt werden.

96 Schrebergärten, alle ausgebucht

Die vorbildhafte Schrebergarten-Kolonie im Seidengarten geht auf eine Initiative des früheren Rankweiler Langzeit-Bürgermeister Hans Kohler zurück. Seine Idee war es, allen Bevölkerungsgruppen die Möglichkeit zu geben, ihr Gemüse selbst anzubauen. So wachsen im Garten eines Migranten aus der Türkei die Bohnen fast in den Himmel, während bei seinem Nachbarn aus Ex-Jugoslawien die herrlichsten Salate wachsen. Das nennt man gelebtes Miteinander. Die 96 Schrebergärten, zwischen 50 und 150 Quadratmetern groß, sind übrigens allesamt ausgebucht. Die Nachfrage nach den Nutzgärten ist gewaltig. Kaum ist ein Platz frei, ist er fast schon wieder verpachtet.

Also, liebe minGarta-Freunde, schaut doch einmal in Rankweil im Seidengarten vorbei. Vielleicht werdet ihr, wie ich bei meinem Besuch, auch mit selbstgemachten Kuchen und Kaffee verwöhnt.

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