Die Zeit der Wurzeln ist gekommen

Die Zeit der Wurzeln

wildesweiberwissen Kräuter Katharina Waibel
Das Buch „wildesweiberwissen – Das wundersame Kräuterjahr“ von Katharina Waibel ist im Hohenemser Bucher Verlag erschienen und kostet 24,50 Euro. Das Buch kann bei der Autorin direkt (www.wildesweiberwissen.at) oder bei derbuchhaendler.at bestellt werden.

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los.
Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.
Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.
Rainer Maria Rilke

Der Sommer war sehr groß und lange Zeit habe ich nichts mehr von mir hören lassen.
Mit diesen wunderbaren, goldenen Oktobertagen ist nun endlich die Zeit der Wurzeln gekommen. Nun werden die Nächte immer länger, wir machen uns auf den Weg in die Dunkelheit.
Zum Herbst gehören die absteigende Energie, der Sonnenuntergang, der Abend, das beginnendes Alter, beginnende Weisheit, Wehmut und Abschied und das Element Erde, die Ernte.
Jedes Ernten ist Fülle, nicht Verzicht, sterben lassen gibt frei.
Alles ist da, viel, viel Arbeit, Fülle, Reichtum, bunte Farben und Chaos.
Das Chaos, die Zerreißprobe, das Gefühl vor lauter Arbeit nicht mehr fertig zu werden und alles auf einmal machen zu müssen, sind herbstliche Energien.
Jetzt erwachen der Sammeltrieb und die Zwanghaftigkeit und die Fähigkeit, die Ordnung darunter zu sehen und wieder herstellen zu können.
Nur wer Notwendiges von Überflüssigem unterscheiden kann wird nicht verrückt.

Pflanzen des Herbstes

Kräftigende Wurzeln: Meisterwurz, Engelwurz, Blutwurz, Enzianwurzel, Baldrian.
Wurzeln greifen tief ins Geschehen ein, ändern tiefe Strukturen und bergen in sich die Kraft eines ganzen Sommers.
Alle Wurzeln kannst du bei dir tragen, nicht alles musst du einnehmen.
Alle nahrhaften Wurzelgemüse stärken die Menschen in dieser kräftezehrenden Zeit: Sellerie, Randig, Kartoffeln und Topinambur.
Nüsse braucht der Mensch, wenn er einiges zu knacken hat.
Wacholder als Tee und später als Räucherwerk – gibt schützende Kraft, er gilt als Weihrauch der Alpen.
Und die Beeren stärken deine Abwehr für die nahende kalte Zeit:
Heidelbeeren, Brombeeren und vor allem Preiselbeeren.

Um die Kräfte der Wurzeln zu bewahren kannst du eine Tinktur herstellen:
Wuzeln aus der Erde gebären – niemals mit Hacken und Schaufeln im Mutterboden herum hacken, falls du eine Wurzel brauchst, lässt sie sich auch mit bloßer Hand aus der Erde gebären.
Gewaschen und etwas zerkleinert in ein Schraubglas füllen und guten Schnaps darüber gießen,
zweimal von Vollmond bis Vollmond stehen lassen,
ab und zu schütteln, dann abseihen und in dunkeln Flaschen versorgen.
Von einer Wurzelessenz nimmst du immer nur etwa 5 Tropfen – deshalb am besten in eine Pipetten-Flasche geben.

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