Eine Mütze für den Boden

Eine Mütze für den Boden

Barbara Hartmann/minGarta.at

Barbara Hartmann, Gärtnerei Hartmann, Ludesch

Der Boden ist ein komplexes System aus lebenden und toten Materialien, die in ihrer Summe eine wichtige Grundlage der Pflanzenproduktion darstellen. Daher sollten wir äußerst pfleglich mit ihm umgehen.

Etwa die Hälfte des Bodens besteht aus Hohlräumen, die mit Wasser oder mit Luft gefüllt sind. Der größte Teil der Pflanzendecke dieser Erde benötigen unbedingt beides: Wasser- und Luftporen. Dauerhaft lockere Erde mit vielen Poren entsteht durch die Durchmischung von abgestorbenen Pflanzen- und teilweise Tierteilen mit verwittertem Gestein, häufig in Form von Tonmineralen. Regenwürmer und andere Bodenlebewesen sorgen für eine Vermengung der Ausgangsmaterialien.

Ständiger Nahrungsnachschub

Damit sich Regenwürmer im Boden wohlfühlen, benötigen sie gleichmäßige Feuchtigkeit und Temperatur sowie einen ständigen Nahrungsnachschub. Dies alles kann durch eine Gründüngung oder durch Mulchen garantiert werden. Gründüngung und Mulch bringen wenig zersetztes Pflanzenmaterial in den Boden und schützen die Bodenoberfläche vor Austrocknung und zu starker Erhitzung. Regenwürmer ziehen angerottete Pflanzenteile in ihre Gänge und verzehren diese Leckereien dort. So tragen sie zur Belüftung des Bodens bei. Die Ausscheidungen der Regenwürmer sind schließlich eine Kombination aus pflanzlichen und mineralischen Bestandteile, jedoch zusätzlich mit Enzymen angereichert. Dieser ‚Wurmhumus‘ ist nicht nur recht stabil und hält so eine lockere krümelige Kulturschichte aufrecht, er düngt unsere Pflanzen zugleich.

Halte den Boden stets bedeckt!

Als Gründüngung wird eine grüne Pflanzendecke bezeichnet, die vor dem Bepflanzen abgemulcht und oberflächlich eingearbeitet wird bzw. über Winter abfriert. Geeignet sind schnell wachsende Pflanzen, zum Beispiel Senf, Bienenfreund oder Leguminosen (zum Beispiel Klee oder Lupinen). Eine Gründüngung sollte ausgesät werden, sobald der Boden im Gemüsebeet längere Zeit unbedeckt bleibt. Die Gründüngung benötigt einige Wochen, um sich zu etablieren. Im Herbst nehmen die Gründüngungspflanzen vorhandene Nährstoffe des Bodens über ihre Wurzeln auf und dient so zur Speicherung von Nährstoffen bis zum nächsten Frühling. Erst dann werden die abgestorbenen Wurzeln von Bodenlebewesen zersetzt und die Nährstoffe neuerlich Pflanzen zur Verfügung gestellt. Neben der Nährstoffspeicherung ist die Gründüngung aber auch für die Beschattung der Beete verantwortlich. Durch den Bewuchs ist der Boden vor Schlagregen geschützt, aber auch Temperaturextreme wie extreme Hitze oder tiefere Fröste werden abgemildert. Dadurch bieten sich den Bodenlebewesen auch nahe an der Oberfläche ideale Lebensbedingungen. Das führt dort zu mehr Aktivität und in Summe zu wertvolleren Böden und dem Aufbau von Humus.

Gründüngung braucht einige Wochen, bis sie nach der Aussaat eine geschlossene Gründecke abgibt. Bei einem raschen Wintereinbruch ist die Zeit für im September ausgebrachte möglicherweise zu kurz. Die Beete daher offen lassen? Nein! Hier ist das Aufbringen einer Mulchdecke aus Grasschnitt und Laub eine hervorragende Möglichkeit, den Boden im Gemüsebeet zu bedecken.

Mulchen fördert Bodenlebewesen

Mulchen nennt man die Bodenabdeckung mit abgeschnittenem Pflanzenmaterial, das nicht eingearbeitet wird. Wir können es mit der Flächenkompostierung im Wald vergleichen, wo durch herbstlichen Laubfall die gesamte Fläche bedeckt wird. Eine Heerschar von Mikroorganismen und Bodenlebewesen zersetzten den natürlichen ‚Abfall‘ und wandeln ihn wieder in Dünger um. Mulch aus organischem Material führt dem Boden somit Nährstoffe zu und bietet dem Bodenleben Nahrung.

Mulch aus abgestorbenen Pflanzenteilen verbraucht anfangs kleine Mengen an Nährstoffen zur Verrottung. Vor allem sehr holzige Materialien wie Rindenhäcksel benötigen für ihre Umsetzung einiges an Nährstoffe. Sie werden dem Boden aber schließlich wieder zurückgegeben. Als Mulchdecke können zum Beispiel Erntereste oder eingestreuter Rasenschnitt dienen. Neuerdings gibt es auch langsam verrottendes Mulchpapier oder Mulchfolie. Diese sind jedoch für das Unterdrücken von Beikräutern in der Kultur entwickelt worden.

Aktuell wäre eine rund 10 cm dicke Schichte aus Laub und Gartenabfällen eine ideale Beetbedeckung. Bis zum Frühling bleibt kaum mehr was übrig, denn die Bodenlebewesen fühlen sich unter diesem Schutz wohl und arbeiten große Teile davon in die Erde ein. Wer seinen Boden auf diese Weise bewirtschaftet, erhält nach wenigen Jahren einen hervorragenden, lockeren, nährstoffreichen Gartenboden.

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