Gärtnerei Ludescher: Homöopathie statt Chemie

„Verliebte werden auch nicht krank“

Stephan Ludescher hat sich vom Saulus zum Paulus gewandelt. Der erfahrene Gärtnermeister aus Klaus schwor vor fünf Jahren der chemischen Keule ab und setzt seitdem auf naturnahe Pflanzenproduktion und Homöopathie. Ein Weg, den er nicht freiwillig beschritten hat, aber heute als den absolut richtigen bezeichnet.

Die EU-Gesetze machen einem manchmal das Leben schwer. Das bekommt auch Stephan Ludescher zu spüren, als in Brüssel 2011 entschieden wird, dass der Einsatz von chemischen Mitteln bei der Pflanzenproduktion stark eingeschränkt wird. Für den Gärtnermeister aus Klaus ein harter Schlag. Er hat zunächst keine Idee, wie er ohne Chemie in seinem Betrieb auskommen soll. Statt Lust an der Arbeit, reagiert plötzlich der Frust. Ludescher denkt sogar ans Aufgeben. Aber Gott sei Dank verwirft er diesen Plan. Er entscheidet sich weiter zu kämpfen und der chemischen Keule in seiner Gärtnerei abzuschwören. Er setzt ab sofort auf nachhaltige Produktion, verwendet organischen Dünger und Kompost. Mit Erfolg.

Schädlingsabwehr mit Homöopathie

Auf die Idee, Homöopathie statt Chemie einzusetzen, bringt ihn der Tiroler Gärtnermeister Erwin Seidemann, Österreichs 1. Zertifizierter Bio-Zierpflanzengärtner. Als Ludescher sein nachhaltiges Experiment startet, stellt sich aber nicht der gewünschte Erfolg ein. Die Schädlingsbekämpfung mittels Homöopathie funktioniert nicht. „Bin ich ein Depp, habe ich mir damals gedacht“, erinnert sich Ludescher. Doch ein Jahr später, das Wunder. Die Schädlinge sind plötzlich alle verschwunden. Ohne Chemie. Heute, vier Jahre später, weiß er auch warum. „Nachhaltig produzierte Pflanzen sind von Natur aus gedrungener. Sie haben gelernt, sich gegen Schädlinge von außen zu wehren. Das dauert allerdings seine Zeit. Danach allerdings vergeht diesen Schädlingen die Lust auf Pflanzen, die ohne Chemie behandelt werden.“

Besser, intensiver, höher

Inzwischen werden in der Gärtnerei sämtliche Sorten Fruchtgemüse und alle Kräuter naturnah produziert. „Ich habe es am Anfang nicht für möglich gehalten. Aber das Aroma der Pflanzen ist besser, die Blütenfarbe intensiver und deren Widerstandskraft viel höher.“ Ludescher zieht einen menschlichen Vergleich: „Wenn du verliebt bist, dann wirst du auch nicht krank.“ Klingt nachvollziehbar. Damit seine Pflanzen aber auch gesund bleiben und die Abwehrkräfte gestärkt werden, braucht es allerdings eine etwas andere Pflege als früher. Ludescher taucht seine Pflanzen wöchentlich in einen Knoblauch-Nebel und behandelt sie mit Kompostauszügen.

Naturnahe Zierpflanzen

Ludescher ist stolz darauf, was er geschaffen hat. Seit drei Monaten ist er gemeinsam mit Gärtnerkollegen Georg Müller auch Mitglied im „Verein für nachhaltige Pflanzen-Produktion“. Nächstes Jahr will er auch sein gesamtes Zierpflanzen-Sortiment naturnah produzieren. Die ersten Versuche startet er aber bereits ab Herbst, mit Violen und Weihnachtssternen.

Übrigens hier noch ein Tipp für alle Gartenfreunde: Der Besuch in der Gärtnerei Ludescher in Klaus ist derzeit ein sinnliches Erlebnis. Überall blüht und duftet es. Und wer sich für spezielle Gemüsesorten interessiert, wird garantiert fündig. Egal ob Grünkohl, Schalotten, Bierrettich oder Romanesco. Und wer glaubt Salat ist bloß Salat, der kennt die Gärtnerei Ludescher nicht. Dort finden sich elf verschiedene Sorten. Naturnah produziert und garantiert ohne Chemie. Ludescher gibt ihnen die Hand drauf.

Kommentare ausblenden

Kommentar hinterlassen

oder