Gemeinsam ackern im Paradies

Text und Fotos: Frank Andres/ marie-Die Vorarlberger Straßenzeitung

„Es ist für mich wie ein Besuch im Paradies“

Pflanzen, jäten, pflegen, ernten: Auf einem 1500 Quadratmeter großen Acker in Buch haben sich elf Gartenfreunde zusammengefunden, die ihr Gemüse auf biologische Art selbst erzeugen. Die Projekt-Idee stammt von Biobäuerin Daniela Kohler. Seit heuer ist Annelies Bargehr aus Wolfurt beim Projekt Solidarische Landwirtschaft mit dabei.

Freitagnachmittag ist Gartenzeit für Annelies Bargehr. Da schneidet die 30-jährige Wolfurterin auf dem Acker der Familie Kohler in Buch die Hecken, jätet mit der Hacke und zupft das Unkraut. Nimmt sich eine Auszeit von ihren Kindern Paulina (4) und Matilda (2). „Sie sind für die Gartenarbeit noch zu jung“, erklärt sie. Wenn Mama auf dem Feld ackert, dann sind ihre Töchter beim Babysitter. Annelies liebt die Arbeit im Garten. „Da kann ich vom Alltag abschalten. Es ist für mich wie ein Besuch im Paradies“, schwärmt Annelies. Und sie lerne dabei auch viel für ihren eigenen, kleinen Garten.

Wenn Annelies ausnahmsweise nicht auf dem Gemüsefeld arbeitet, nimmt sie die Töchter trotzdem mit nach Buch. Dann sitzt man gemeinsam am Schwimmteich und hört den Fröschen beim Quaken zu. „Da lernen sie, was Natur bedeutet und wie vielfältig sie ist“, erklärt sie. Annelies ist es wichtig, dass ihre Kinder wissen, woher das Gemüse kommt, das auf dem Teller landet. Für gewöhnlich mag ihre jüngere Tochter Matilda keinen Salat, aber den aus Buch isst sie. Matildas kindlich einfache Erklärung lautet: „Weil, das ist unser Garten.“

Wöchentliche Gemüsetasche

Apropos Garten: Der Acker, auf dem Annelies Bargehr werkelt, gehört der Biobauernfamilie Kohler. Seit letztem Jahr wird das 1500 Quadratmeter große Feld von Annelies Bargehr und zehn anderen Gartenfreunden gemeinsam bewirtschaftet. „Wir wollten das Gemüse, das hier angebaut wird, einer größeren Gruppe von Menschen zur Verfügung stellen“, erklärt Projekt-Initiatorin Daniela Kohler (43). Das Prinzip dieser sogenannten „Solidarischen Landwirtschaft“ (SOLAWI) ist einfach. Der landwirtschaftliche Betrieb, in diesem Fall der Biohof Kohler, übernimmt die Grundbodenbearbeitung im Frühjahr, die Beschaffung des kontrolliert biologischen Saatguts, die Aussaat und die Anzucht der Jungpflanzen. Das Anlegen der Pflanzbeete sowie die Pflanzung, die Pflege und das Jäten soll möglichst gemeinsam gemacht werden. „Im Idealfall sind das zwei halbe Tage pro Monat“, erklärt Biobäuerin Kohler. Jede Woche wird dann die Ernte unter den „Mitgärtnern“ aufgeteilt. Die Kosten für die von April bis Dezember frisch gefüllten Gemüsetaschen betragen pro Person monatlich 35 Euro.

Kosten gedeckt

Reich, so betont Daniela Kohler, werde sie mit dem SOLAWI- Projekt nicht. „Mit den Einnahmen sind die Kosten gedeckt. Wir steigen eben aus.“ Geld sei ohnehin nie ihre Motivation gewesen, um das Projekt zu starten. „Ich finde es eine Bereicherung, wenn ich mit anderen Gartenfreunden zusammenarbeiten kann.“ Manchmal kann dieses Gemeinsam auch ganz schön einsam sein. „Wenn man am Abend Schnecken absammeln soll oder das Gemüsefeld gewässert werden muss, dann ist garantiert kein Helfer da“, erzählt die 43-jährige Biobäuerin mit einem leicht ironischen Unterton. Biobäuerin zu werden, war übrigens nie der Wunsch von Daniela Kohler. „Ich habe Matura gemacht und wollte Ökologie und Landschaftsplanung studieren.“ Doch die Familienplanung ging schneller als geplant. Mit knapp 20 Jahren wurde sie zum ersten Mal Mutter. Sie heiratete und übernahm zusammen mit ihrem Mann Tone, einem gelernten Zimmerer und Tischler, den Biohof von ihren Eltern. „Das Leben hat mich dorthin geführt, wo ich hingehöre“, ist sie heute überzeugt. Einen Traum hätte sie aber doch. „Wenn es einmal das bedingungslose Gundeinkommen gibt, dann würde ich gerne drei Wochen lang ‚wwoofen‘. Das heißt: Ich würde bei freier Kost und Logis auf anderen Biohöfen mithelfen.“

Elf Mitstreiter

Mit der Resonanz auf ihr SOLAWI-Projekt, dem derzeit einzigen in Vorarlberg, ist Daniela Kohler sehr zufrieden. „Es haben sich gleich zu Beginn elf Mitstreiter aus Bregenz, Wolfurt oder Lauterach gemeldet. Darunter sind Pensionisten, die etwas Sinnvolles tun wollen, aber auch junge Familien, denen gesunde Ernährung wichtig ist“, betont die dreifache Mutter. Wer sich jetzt mit dem Gedanken trägt, in Buch auch solidarisch landwirtschaften zu wollen, der sollte sich beeilen. „Bei 15 Personen ist Schluss. Mehr sind bei der Größe des Ackers nicht möglich.“

Infos und Kontakt Biohof Kohler
http://www.permakultur-akademie.com/biohof-kohlervorarlberg

Kommentare ausblenden

Kommentar hinterlassen

oder