Grillpapst Tom Heinzle: "Bin froh, wenn auch Frauen grillen"

Grillpapst Heinzle: „Bin froh, wenn auch Frauen grillen“

Tom Heinzle aus Mäder ist Grill-Vizeweltmeister. minGarta hat mit ihm über Frauen am Grill, die Grillkultur in Vorarlberg, Todsünden am Rost, die Faszination des Winter grillen und sein neues Buch „Wild grillen“ gesprochen.

minGarta.at: Wenn jemand ein Stück Fleisch auf seinen Rost schmeißt und durchbrät, ist das für dich dann schon Grillen?
Tom Heinzle: Nein. Grillen bedeutet für mich, dass das Fleisch die richtige Kerntemperatur und Zartheit hat. Nur Fleisch auf den Grill zu legen, ist noch keine Kunst. Das kann jeder.
Was zeichnet einen guten Grillmeister aus?
Heinzle: Er muss den absoluten Hang zur Qualität haben. Das beginnt bei der Wahl des Anzünd-Materials, geht weiter über die Kohle und endet bei der Qualität des Fleisches. Nur mit guten Grundstoffen, kann man eine gute Endqualität erzielen. Man macht aus „Dreck“ keine Schokolade.
Was hältst Du von vorgewürztem Fleisch?
Heinzle: Das würde ich nie kaufen. Ich will das vorgewürzte Fleisch nicht verurteilen, aber es widerspricht meinem Qualitätsanspruch. Ich will mein Fleisch lieber selber würzen und damit den Geschmack beeinflussen. Ich will eine Einheit aus dem Rauch, dem Fleisch und den Gewürzen schaffen. Das ist für mich die Kunst beim Grillen.
Weißt Du, woher dein Grillfleisch stammt?
Heinzle: Ja. Bei mir kommt nur Fleisch aus artgerechter Tierhaltung auf den Grill. Ich habe absolutes Vertrauen zu meinen Fleischproduzenten.
Wie ist es um die Grillkultur in Vorarlberg bestellt?
Heinzle: Sehr gut. Erstens gibt es tolle Kurse, die man besuchen kann und zweitens gibt es im Land ein paar innovative, gute Griller. In Westen grillen wir mit einer etwas feineren Klinge, als im Rest von Österreich.
Was bedeutet das?
Heinzle: Wir in Vorarlberg sind mehr die Feinspitze, grillen auch eleganter. Das hat auch mit unseren Nachbarn zu tun. Bei Ausflügen nach Italien, Schweiz oder Frankreich, bringen wir neue Einflüsse mit nach Vorarlberg. Das beeinflusst unsere Koch- und Grillkultur.
Ich gebe zu, es ist kein ernst gemeinter Vergleich. In der katholischen Kirche dürfen Frauen nicht Priester werden. Wie liberal bist Du, wenn durch das weibliche Geschlecht, die Oberhoheit am Grillfeuer gefährdet ist?
Heinzle: Da habe ich überhaupt keine Berührungsängste. Ich bin froh, wenn Frauen auch grillen. Es ist doch so, dass Frauen meistens das Fleisch einkaufen und es selbst würzen. Sie kümmern sich zudem um die Salate und die Beilagen. Der Mann macht höchstens das Feuer , legt das von der Frau vorbereitete Fleisch auf den Griller und lässt sich dann als großer Hero feiern. Und das finde ich nicht richtig. Denn die Hauptarbeit liegt bei der Frau.
Wie hoch ist der Frauenanteil bei deinen Kursen?
Heinzle: Bei den Grundkursen ist er sehr gering. Aber sobald es in den Gourmet- bzw. Spezialbereich geht, wird der Frauenanteil immer höher.
Wie hast Du deine Leidenschaft fürs Grillen entdeckt?
Heinzle: Das funktioniert bei allen Männern ziemlich ähnlich. Das Feuer weckt die Urinstinkte des Mannes. Das war auch bei mir so. Ich habe für mich festgestellt, dass Fleisch mit Röstaromen auf dem Grill besser schmecken als aus der Pfanne. Grillen hat auch noch viel mit Handwerk zu tun. In der Küche arbeitet man oft mit Konvektomaten oder Dampfgarern. Beim Grillen passiert im Vergleich dazu noch viel mit der Hand. Das gefällt mir.
Du bist Grill-Vizeweltmeister. Wenn ich nun in deine Fußstapfen treten möchte, was müsste ich für Voraussetzungen mitbringen?
Heinzle: Mut zum Risiko. Scheitern ist immer eine Option. Wenn man in einem Team grillt, dann ist auch viel Glück dabei. Bei einem 100-Meter-Lauf ist klar, es gewinnt der, der mit der schnellsten Zeit die Ziellinie passiert. Beim Essen spielt hingegen der Geschmack der Juroren eine wichtige Rolle. Bei einem kommt deine Grillkunst hervorragend an und beim anderen fällst du gnadenlos durch. Aber natürlich ist es auch wichtig, dass man vor einem großen Wettbewerb viel übt und weiß wie das Fleisch behandelt werden muss. Das Wichtigste ist aber, der Spaß bei der Sache.

Wild grillen

Tom Heinzle, Vize-Grillweltmeister und Autor des Bestsellers „Wintergrillen“ legt mit diesem Buch die umfangreichste Rezeptsammlung zum Thema Wild Grillen vor. Nachhaltig, fettarm und verdammt lecker das sind die innovativen Grillrezepte des Shootingstars der Grillszene. Ob Wildburger, Hirschfilet mit Wachtelei oder Pulled Pork vom Wildschwein Toms Rezepte sind sinnlich, kreativ und mit einem sicheren Gespür für Geschmackskombinationen. Die atmosphärischen Aufnahmen in authentischer Umgebung lassen die Herzen von Wild- und Grillfans höher schlagen. Ein absolutes Must-Have für jeden Griller.

Das Buch ist im Heel Verlag erschienen und kostet 25,70 Euro. „Wild grillen“ kann bei derbuchhaendler.at online (ohne Versandkosten!) bestellt werden.

Seite 1/2

  1. „Ich bin froh, wenn auch Frauen grillen“
  2. „Grillen ohne Bier ist sinnlos“
Kommentare ausblenden

Kommentar hinterlassen

oder