Hardy, Herr über 1000 Orchideen

„Ein Orchideenzüchter braucht vor allem Geduld“

Hardy Fussenegger ist passionierter Orchideenzüchter und Obmann des Vorarlberger Orchideen Clubs. minGarta sprach mit dem Dornbirner über die anfängliche Skepsis seiner Frau, sein kleines Orchideen-Paradies und warum es nicht schadet einen „Vogel“ zu haben.

„Begonnen hat alles 1985. Rein zufällig“, erinnert sich Hardy Fussenegger dunkel. Ein ehemaliger Arbeitskollege hat ihm damals erzählt, dass er seiner Frau früher immer Blumensträuße geschenkt habe. Aber spätestens nach einer Woche waren diese verblüht und landeten im Müll. Deshalb habe er begonnen, Orchideen zu sammeln. Und Fussenegger, gleichfalls Kenner dieses Frauen-Problems, tat es ihm gleích. Er kaufte sich in einer Gärtnerei seine erste Orchidee.

Vom Ehrgeiz gepackt

Ahnung von der Orchideenzucht hat er zu diesem Zeitpunkt aber noch keine. Und wiederum führt der Zufall Regie. Eine Handvoll Gleichgesinnte gründet ein Jahr später den Vorarlberger Orchideen Club und begibt sich via Zeitung auf Mitgliedersuche. Und wer ist 1986 eines der Gründungsmitglieder? Erraten: Hardy Fussenegger. Von da an gibt es für ihn kein Halten mehr. Der Ehrgeiz packt ihn. Er tauscht sich mit Orchideen-Züchtern aus, besucht Vorträge, Ausstellungen und liest sich in die spärlich vorhandene Literatur ein.

Wenig Gegenliebe seiner Frau

Doch seine Frau ist von seinem neuen Hobby anfänglich alles andere als begeistert. Denn Hardys Orchideen-Sammlung wächst unaufhörlich. Die erste Fensterbank ist innert kürzester Zeit mit den Pflanzen vollgestellt. „Das ist nicht auf Gegenliebe meiner Frau gestoßen“, erzählt er. „Hast du einen Vogel, wie sieht das aus?“, habe sie ihn gefragt. Als verständnisvoller Ehemann nimmt er diese leise geäußerte Kritik seiner Frau ernst. Er stimmt sie milde und baut ein Gewächshaus. Der Deal: die eine Hälfte gehört seinen Orchideen, die andere dem Gemüse seiner Frau. Es dauert aber nicht lange, bis sich die Eigentumsverhältnisse dramatisch ändern. „Inzwischen ist das Gemüse rausgeflogen und in die Hochbeete geflüchtet“, erzählt er in nüchternem Ton.

Beharrlichkeit hilft

Hardy verbringt durchschnittlich sechs bis acht Stunden wöchentlich in seinem 15 Quadratmeter großen, beheizten, mit Zusatzlicht und Sprühanlage ausgestatteten Gewächshaus.  Der Zeitaufwand ist je nach Jahreszeit sehr unterschiedlich. Im Frühjahr bin ich täglich im Gewächshaus, im Winter nur alle zwei, drei Tage.“ Und weiß er, wie viele Orchideen er sein eigen nennt? „Es dürften derzeit 300 bis 400 verschiedene Arten und insgesamt über 1000 Pflanzen sein“, betont Hardy, er seit 2008 Obmann des Vorarlberger Orchideen Clubs ist. Der finanzielle Aspekt spielt beim gelernten Filmtechniker keine Rolle. „Du kannst bis zu 10.000 Euro für eine einzelne Orchidee ausgeben. Das hat mich nie interessiert.“ Er ist fasziniert von der enormen Vielfalt der Orchideen. „Es gibt über 30.000 Natur- und über 100.000 Zuchtformen. Oft bin ich von kleinen Formen und Blüten mehr fasziniert als von großen“, erklärt er. Für ungeduldige Menschen sind Orchideen übrigens kein geeignetes Hobby warnt Hardy: „Es kann bis zu 14 Jahre dauern, bis eine Orchidee zu blühen beginnt. Als Orchideenzüchter brauchst du vor allem Geduld.“ Hardy liebe diese Herausforderungen. Er sei stur und beharrlich. „Das hilft“, ist Hardy überzeugt.

Ehefrau ist Vereinsmitglied

Und hat sich das Verhältnis zu seiner Frau inzwischen wieder entspannt? „Es war nie wirklich angespannt. Sie sprüht und netzt meine Orchideen.“ Seine Frau habe auch ein gewisses Interesse an den Pflanzen, zum Beispiel am tropischen Frauenschuh entwickelt. Und das deutlichste Anzeichen für die Entspannung enthüllt Hardy ganz am Schluss unseres Gesprächs. „Meine Frau ist inzwischen Mitglied im Vorarlberger Orchideen Club.

Ein kleiner Wegweiser für die Pflege von Orchideen

Licht: Orchideen sollen so viel Licht wie möglich erhalten, vertragen jedoch keine direkte Sonneneinstrahlung Bei der Fensterbankkultur empfiehlt sich deshalb ein Ost- oder Westfenster. Nordfenster sind ebenfalls geeignet – doch in diesem fall ist im Winter eine Zusatzbeleuchtung empfehlenswert. Bei Südfenstern ist eine Schattierung, zum Beispiel mittels Vorhängen, erforderlich, damit das direkte Sonnenlicht gedämpft wird.

Luft: Für frische Luft – keine Zugluft – sind Ihnen ihre Orchideen dankbar. Im Winter ist darauf zu achten, dass kalte Luft nicht über längere Zeit über die Orchideen streicht.

Wasser: Ein altes Sprichwort lautet: „Orchideen – die kleinen Esser und Trinker.“ Gießen Sie deshalb Ihre Lieblinge nicht zu oft; am besten erst dann, wenn der Pflanzstoff abgetrocknet ist.

Tipp: Tauchen Sie die Orchideen, damit Sie richtig durchfeuchtet sind. Am besten in temperiertes Regenwasser oder abgekochtes Regenwasser.

Nährstoffe: Düngen Sie Ihre Orchideen gezielt, aber nicht zu häufig. In der Wachstumszeit (Frühling bis Herbst) alle zwei Wochen, in der Ruhezeit (Winter) höchstens einmal im Monat. Als Nährstoff eignet ich prinzipiell jeder Dünger, jedoch sollte nur 1/3 der angegebenen Konzentration verwendet werden. Empfehlenswert sind spezielle Orchideendünger.

Umtopfen: Nach Möglichkeit sollten Orchideen alle zwei Jahre umgetopft werden. Verwenden Sie niemals „normale“ Blumenerde für Orchideen, sondern nur Orchideen-Substrat. Wählen Sie die neue Topfgröße so, dass die Pflanze die nächsten zwei Jahre darin Platz hat. Orchideen mögen keine zu großen Töpfe. Durchsichtige Töpfe haben sich besonders bewährt, da man stets zu den Wurzeln der Pflanze sieht. Auch lässt sich so der Feuchtigkeitsgrad des Substrates besser feststellen.
Übrigens: Viele Orchideen lassen sich im Sommer im Freien kultivieren. Die Spezailisten des Vorarlberger Orchideen Clubs beraten Sie gerne.

Hardy gibt Einblicke in die Orchideen-Zucht

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