Herbert Hörburger: Vom Unternehmer zum Gartenprofi

Herbert Hörburger: Vom Unternehmer zum Gartenprofi

Was macht ein Mann, der ein Unternehmen jahrzehntelang erfolgreich geführt hat, in der Pension? Diese Frage hat sich auch der Altacher Herbert Hörburger (76) gestellt und ist als Antwort darauf zum begeisterten Hobby-Gärtner geworden. In Spitzenzeiten werden bis zu 16 Personen mit frischem Obst und Gemüse aus seinem 720 Quadratmeter großen Garten versorgt.

Für Herbert Hörburger ist der Begriff „Pensionsschock“ ein Fremdwort. Denn als er vor knapp zehn Jahren sein Unternehmen an seine Söhne Simon und Bertram übergeben hat, hat er sich genau überlegt, was er mit seiner plötzlichen Freizeit anfangen soll. „Ich wollte eine ganzjährige, sinnvolle Beschäftigung. Da bin ich auf die Idee gekommen, auf meinem geerbten Grundstück, eine Gartenanlage zu erstellen“, erinnert sich Hörburger an seine Anfänge zurück. Dabei waren seine Anfänge als Hobbygärtner alles andere erfolgreich. „Ich hatte von Gartenarbeit keine Ahnung und musste in den ersten drei Jahren bitteres Lehrgeld bezahlen.“ Die großen Ernten blieben aus.

Volle Erträge nach fünf Jahren

Doch Herbert Hörburger ist ein Kämpfer. Er bildet sich fort, besucht Kurse, betreibt intensive Nachforschungen und der gewünschte Erfolg stellt sich ein. „Nach fünf Jahren ist es mir gelungen, volle Erträge aus dem Garten zu erwirtschaften“, erzählt er nicht ohne Stolz. Was heißt voller Ertrag, frage ich ihn. „In Spitzenzeiten habe ich zwölf Familienmitglieder und vier Nachbarn ganzjährig mit frischem Obst und Gemüse aus meinem Garten versorgt.“ Und von welchen Menge reden wir da, will ich wissen. „In meinem Gewächshaus reifen im Sommer bis zu 280 Kilo Tomaten, 30 Kilo Gurken, 25 Kilo Auberginen und bis zu 15 Kilo Paprika.“ Zudem liefern seine Obstbäume jährlich 30 Kilo Zwetschken und bis zu 70 Kilo Lageräpfel. Der Rest des Obstes, Äpfel und Birnen, werden vom Baum geerntet und sofort verzehrt.

Alles bio!

Was aber treibt einen Pensionisten an, freiwillig 600 Stunden jährlich für Gottes Lohn im Garten zu arbeiten? „Die Antriebsfeder ist nicht mein persönlicher Ehrgeiz, sondern die Akzeptanz durch meine Familie. Es ist für mich die größte Belohnung, wenn sie ihr Gemüse, ihre Kräuter und ihr Obst aus meinem Garten holen.“ Gleichzeitig musste er seinen Abnehmern versprechen, dass er kein Pestizid, kein Insektizid und keinen Mineraldünger verwendet. Bei Hörburger ist deshalb alles bio. Aber auch Hörburger Senior stellte Bedingungen: „Sollte ich jemanden erwischen, der im Sommer seinen Salat beim Lidl holt, dann wird er aus meiner Versorgerliste gestrichen. Ich habe genügend Interessenten, die bei mir die Bioware holen.“

Ohne technisches Verständnis ist eine Gartenanlage, wie sie der passionierte Hobbygärtner betreibt, nicht machbar. Ein Hilfsarbeiter sei dazu nicht in der Lage, ist er überzeugt. Dafür brauche es langjährige Berufserfahrung. So sind seine Gewächshäuser mit Insektenschutzgittern ausgestattet, die lästige Schädlinge von seinem Gemüsebeet fern halten. Eine mobile Plastikfolie schützt zudem vor starkem Regen. Würde er sich selbst als Perfektionisten bezeichnen? Ja. Es haben schon einige zu mir gesagt, dass die Würmer bei mir nach der Wasserwaage kriechen müssen. Ich muss zugeben, dieser Spruch hat durchaus seine Richtigkeit.

Kosten werden verrechnet, Arbeit gratis

Die Kosten für Strom, Wasser, Heizung, Dünger, Pflanzen und Grundsteuer – das sind jährlich im Durchschnitt 1200 Euro – lässt er sich von den Abnehmern seiner Bioprodukte rückerstatten. „Meine Arbeit gebe ich dafür gratis als mein Hobby zu“, betont Hörburger. Das Experiment, sich außerfamiliäre Helfer in den Garten zu holen, ist gescheitert. Der erste hat es ein Jahr ausgehalten, der zweite ein Jahr und fünf Monate und der dritte wollte einen Stundenlohn von 15 Euro pro Stunde. Danach hat Hörburger seiner familie die Rute ins Fenster gestellt: „Wenn ihr wollt, dass ich weitermache, müsst ihr mir helfen. Ihr könnt frei entscheiden, wen er ihr mir schickt.“ Und wer bewirtschaftet den Garten, wenn er selbst nicht mehr dazu in der Lage ist? „Das ist auch schon geregelt. Ich habe die Zusage meines Sohnes (er ist 52 Jahre!), dass er in sieben, acht Jahren die Aufgaben im Garten übernimmt und für seine Kinder fortsetzt. Hörburger überlässt nichts dem Zufall.

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