Misteln: Romantisch aber parasitisch

Misteln: Romantisch aber parasitisch

Markus Luger / Luger

Markus Luger, Gärtnerei Luger, Nüziders

Besonders in der Vorweihnachtszeit sind Misteln recht beliebt. Als Zierde für die Haustüre wird die Heil- und Zauberpflanzen schon seit tausenden Jahren von den keltischen und später angelsächsischen Menschen verehrt. Angeblich bringt es sogar Glück, wenn man unter einem geschenkten Mistelzweig durchgeht. 

Aber Spaß beiseite, Misteln wird allerlei positive Kraft gegen verschiedenste Wehwehchen nachgesagt. Hier kann ihr Apotheker sicher Auskunft geben und die giftige Pflanze richtig dosiert einsetzen.

Lebt auf Kosten seines Wirtes

Im Garten spielt die Mistel eine nicht ganz so beliebte Rolle. Klar können Romantiker dieser immergrünen Strauchart viel Positives abgewinnen. Dem Gärtner oder Obstbauern ist sie nicht ganz so sympathisch. Denn Misteln bevölkern als Schmarotzer Bäume. Meist ungepflegte Obstbäume, Pappeln, Eichen und gelegentlich auch andere Laubbaumarten. Eine Mistelart besiedelt auch Weißtannen.

Ein echter Schmarotzer

Schmarotzer deshalb, weil die Mispeln ihre wurzelähnlichen Senker in das Holz der Bäume treiben um sich dort mit Nährstoffen und Wasser versorgen. Die ganze Pflanze ist grün und betreibt mit diesen Nährstoffen dann selbst Photosynthese. Dazu braucht sie noch der Energie der Sonne und ein wenig Luft. Damit schafft es die Mispel, oft im Laubkleid ihres Gastbaumes verborgen, ihre strauchartige Erscheinung aufzubauen. Das passiert lange unbemerkt und fällt oft erst in den Wintermonaten auf, wenn die Bäume laublos sind.

Obstbäume werden geschwächt

Im Sommer blüht sie recht unscheinbar. Schon auffälliger sind die weißen Beeren, die auch für die Verbreitung der Pflanze verantwortlich sind. Vögel, vor allem Amseln und Drosseln, fressen die Früchte und scheiden die Kerne im Kot wieder aus, wodurch sie in die höchsten Kronen vertragen werden. Sehr zum Leidwesen des Baumwärters. Obstbäume werden durch ihre immergrünen Bewohner geschwächt.

Entfernung gewusst wie!

Zur Adventzeit werden von findigen Anbietern Misteln geerntet und verkauft. Da die Schmarotzerpflanze aber direkt in die Bäume hineinwächst, treiben sie bei oberflächlichem Schnitt wieder durch. Nur wenn die Mistel mitsamt ihrem Wirtast abgeschnitten wird, ist der Spuk an dieser Stelle vorbei. Aber der Ast ist auch weg.

Folie mit Klebeband

Eine schonendere Methode ist es, die Mistel so abzuschneiden, dass der tragende Ast unverletzt bleibt. Dann wird mit lichtundurchlässiger, aber UV-beständiger Mulchfolie ein Verband um den Ast angefertigt, sodass die ganzen grünen Mistelteile abgedeckt sind. Mit Klebeband befestigt man die Folie so, dass kein Licht zur Mistel gelangen kann. In einigen Monaten stirbt die Schmarotzerpflanze durch Lichtmangel ab und dann kann der Verband wieder entfernt werden. Bei konsequentem Vorgehen bringt man auf diese Weise die Bäume wieder sauber, sofern kein frischer Zuzug durch neue Samen erfolgt.

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