Wickel und Co. feiern Renaissance

Kühler Kopf und wohlige Wärme

„Auch wenn Hausmittel häufig etwas verstaubt daherkommen und als überholt gelten – natürliche Heilmethoden, die in sanfter Weise wirken, sind niemals veraltet“. Wer kennt sie nicht aus Kindertagen? Die feuchten Tücher, die bei erhöhter Temperatur straff um die Waden gewickelt wurden, mit einem trockenen Frottee umhüllt, verpackt in eine kuschelige Wolldecke? Wickel, Umschläge und Heilpflanzen erleben zurzeit – auch Dank des Verbands für Obst- und Gartenkultur (OGV)- eine Renaissance.

Mal wohlig warm, mal angenehm kühl, gern in Verbindung mit natürlichen Heilzusätzen. In der häuslichen Krankenpflege auch als „Omas Hausmittel“ in Form der „Essigpötschle“ bekannt.Die heilsamen Wickel, die schon unsere Mütter und Großmütter bei Fieber, Sonnenbrand, Gelenk- oder Bauchschmerzen gerne anwendeten, stammen aus einer Zeit, in der keine oder nur wenige Pharmazeutika zur Verfügung standen.
Wickel und Umschläge sind bewährte Hausmittel. Die oft wirksamen und kostengünstigen Zutaten finden sich in nahezu in jedem Haushalt. Auch ohne Spezialausstattung leisten sie schnelle Hilfe und sind dabei schonend für den Organismus. Oft verschaffen sie spontan Linderung und sorgen für Wohlbefinden und unterstützen durch die Zuwendung unsere Selbstheilungskraft.

Gut gewickelt und sanft geheilt

„Gut gewickelt mit traditionellen Hausmitteln“ begeistert aktuell auch viele junge Familien im Ländle. Kaum hatte der OGV Vorarlberg den Sonderkurs „Wickel, Auflagen und andere traditionelle Hausmittel“ ausgeschrieben, waren auch schon alle Kursplätze vergeben. Aus einem Kurs wurden schlussendlich drei unterhaltsame Abende mit vielen Infos für wirkungsvolle Auflagen & Kompressen, über 50 Teilnehmer/innen übten sich im Wickeln und Kompressen auflegen.

OGV-Jugendkoordinatorin Iris Lins beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit den Wirkprinzipien von Wickeln und Auflagen. Die einfachen Hausmittel leisteten früher gute Dienste, wo auf die Schnelle meistens weder mit einem Arzt noch mit Medikamenten zu rechnen war. „Aber in den 1970er Jahren gerieten diese traditionellen Hilfsmittel in Vergessenheit“, sagt die erfahrene Fachfrau.

Wickel, Umschläge und Auflagen haben nicht nur in der kalten Jahreszeit Hochsaison. Sie können auch im Frühling und Sommer gute Dienste leisten, um die Entschlackung des Körpers zu fördern oder Linderung für unterschiedlichste Beschwerden verschaffen: „Und sollten uns im Sommer Insektenstiche, ein zu intensives Sonnenbad oder auch mal Hitze ein wenig plagen, ist es ganz einfach, sich und seinen Lieben Wohlbefinden zu verschaffen“, erläuterte Kräuterexpertin Iris Lins in Rankweil.

Aus dem Garten auf die Haut: Kohl, Kartoffel, Zwiebel und Topfen

Jeder hat eines dieser Hilfsmittel bei sich zu Hause im Küchenschrank: Mittlerweile hat sich beispielsweise die Zwiebel wieder gut etabliert, wenn es darum geht, Erleichterung bei einem Insektenstich zu verschaffen. Und bereits Rudolf Breuss und Herr Kneipp wussten um die entgiftende Wirkung von Kohlblättern. So empfehlen beispielsweise die eidgenössischen Kneippianer die grünen Kohlblätter – ohne den Stiel, dafür mit einer kräftig mit einer Flasche flach gewalkt – und zumindest 1-2h beispielsweise auf die Fußsohle oder das gewünschte Körperteil aufgelegt und mit Stoffwindel/Baumwolltuch umwickelt.
Resi Meier beschreibt in ihrem Buch „Praktische Kneippanwendungen“ die Wirkung des Kohls so: Er hat die Fähigkeit, über die gesunde Haut die Sekretion in tieferliegenden Geweben anzuregen und auszuleiten. Als Anwendungsgebiete beschreibt sie unter anderem Rheuma, Gicht und Schleimbeutelentzündungen. Viele TeilnehmerInnen der Workshops erzählten über ihre Erfahrung mit Topfen: Manche verwenden ihn als kühlendes Mittel um nach einem intensiven Sonnenbad Linderung zu erfahren, anderen hilft er nach einem Insektenstich, wenn die betroffene Stelle leicht geschwollen ist und juckt. Die gekochte Kartoffel hilft nicht nur bei müden Augen, viele Mütter und Grossmütter erinnern sich daran, wie sie bei Halsschmerzen oder Bronchitis zur Unterstützung und Förderung des Genesungsprozesses eine warme Kartoffelauflage bekommen hat. Hier ist zu beachten, dass die Kartoffel nicht zu heiss ist, damit es nicht zu Verbrennungen kommt. Besonders bei Kindern ist hier besondere Aufmerksamkeit geboten und ein beobachten der Hautstelle angebracht.

Gewusst wie: was zu beachten ist

Wickel und Auflagen sind eine feine Sache, doch gilt es auch, einige Vorsichtsmaßnahmen zu beachten. Für eine erfolgreiche Behandlung ist es wichtig, die passende Anwendung zu wählen und nicht gleichzeitig verschiedene Methoden auszuprobieren. Wer keine Erfahrung hat, sollte sich an eine fachkundige Person (Bspw. Arzt oder Krankenschwester) wenden. Maya Thüler, eine erfahrene „Wickelfachfrau“ schreibt in ihrem Buch „Wohltuende Wickel“, dass wenn nach der Anwendung keine eindeutige Reaktion/Besserung eintritt, ist ein Arztbesuch angezeigt. Die Anwender/innen sollen um die Grenzen solcher Mittel wissen – und dass diese den Gang zum Arzt/Apotheker in bestimmten Situationen nicht ersetzen können. Manche Wickel und Umschläge können nach Absprache aber auch gut ergänzend zur verordneten Therapie des Fachmanns angewendet werden. Die Beliebtheit der Wickel bei Kindern ist unterschiedlich. Viele haben sie sehr gern, manchen Kindern muss der Wickel erst etwas „schmackhaft“ gemacht werden. Vielleicht kann Freund Teddy dann erst mal mit gutem Beispiel vorangehen.

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